
MOONLIGHT „Candra“
Veröffentlichungsjahr: 2002
Gesamtspielzeit: 45:47
Herkunftsland: Polen
Tonträgerformat: CD
„Candra” ist die bereits siebente Veröffentlichung aus dem Hause MOONLIGHT. Die polnische Gruppe ist seit Jahren, mittlerweile auch im Ausland, bekannt für recht eigenständigen und experimentellen Gothicmetal / Gothicrock. Meine erste Berührung mit der Musik dieser Band war ihr vorvorletztes Album „Inermis“, welches mich nach kurzer Eingewöhnungszeit ob seiner Originalität und Eigenständigkeit zu begeistern wußte. Ruhige und entspannende (jedoch zugleich anspruchsvolle) Musik für die ruhigen Momente im Leben.
Auf dem vorliegenden Werk „Candra“ klingen MOONLIGHT jedoch nur noch sehr vage nach dem, was sie auf „Inermis“ präsentierten, und auch das nach „Inermis“ folgende Album „Floe“ weist eher wenige Ähnlichkeiten zum aktuellen Werk der Polen auf.
Die Gruppe steht mittlerweile für Gothic Rock / Art Metal mit elektronischen Einschlägen, und obwohl man aufgrund von Maja Konarskas schöner und individueller Stimme, die etwas tiefer liegt als bei sonst von weiblichem Gesang dominiertem Gothicmetal, und den oftmals etwas eigenwilligen Songstrukturen immer noch erkennt, daß es sich um MOONLIGHT handeln muss, ist das Album doch anders als die „alten“ MOONLIGHT. Irgendwie „kommerzieller“ und moderner und zugleich, so paradox das auch klingen mag, partiell schwieriger zugänglich. Und irgendwie fehlt mir persönlich auch bei mehreren Liedern etwas die Hingabe und das Herzblut, mit welchem man an das Komponieren herangehen sollte. Auch ist mir die Tatsache suspekt, daß gerade jetzt zu Zeiten des Elektro (und Artverwandtem), in denen immer mehr Formationen auch aus dem metallischen und rockigen Sektor mit elektronischen Klängen liebäugeln und teilweise auch gut Kasse machen, auch MOONLIGHT auf diesen Zug aufspringen.
Was noch auffällt, allerdings nicht unbedingt negativ, ist die Tatsache, daß die Gruppe auf „Candra“ sogar ein wenig auf folkloristisch anmutende Elemente zurückgreift. So zum Beispiel und am stärksten bei „To See Yourself“, welches zu meiner Freude auf Polnisch vorgetragen wird. Dieses Stück lebt vornehmlich vom Gesang, der ansonsten von Pianoklängen komplettiert wird, und ist sehr ruhig. Eines der interessantesten und besten Stücke auf dem Album.
Auch mit „Body Dialogue“ haben die Polen um die talentierte Sängerin Maja einen Trumpf im Ärmel. Der Anfang gestaltet sich ruhig und zurückhaltend, und man muss sich schon etwas intensiver auf die Musik einlassen, um sie so richtig genießen zu können.. Im späteren Verlauf jedoch kommt es zu einem metallischen Ausbruch, einer Wende in der Liedstruktur, und das Lied gewinnt deutlich an Härte und Dynamik. Sehr interessant und gelungen.
Ansonsten wissen auch noch das mit schönen Gitarren versehene „Luna ll“ sowie das mit Industrial-/Nose-artigen Geräuschen beginnende und in Gothicmetal (?) übergehende und dynamische „Ranaa“ zu gefallen.
Insgesamt ist „Candra“ eine gute CD, und auch ein eigenständiges Klanggewand kann der Formation attestiert werden, aber eine unbedingte Kaufempfehlung würde ich nicht aussprechen, zumal die Band es auch wesentlich besser kann und es zudem schon mehr als genug Trittbrettfahrer metallisch-elektronischen Mischmasch-Musikbereichs gibt. Wer Anhänger der Gruppe ist, sollte aber auf jeden Fall mal reinhören.