
MYRK „Icons Of The Dark“
Veröffentlichungsjahr: 2003
Gesamtspielzeit: 47:47
Musikverlag: Ketzer Records
Herkunftsland: Island
Tonträgerformat: CD
Island... Norden, Kälte, Eis, alte skandinavisch-germanische Mythologie, Legenden... eigentlich die ideale Kulisse für klirrend kaltes nordisches Schwarzmetall. Müßte man meinen. Doch bislang traten außerhalb Islands lediglich die großen SOLSTAFIR besonders hervor, und ansonsten war es eher ruhig um Islands Schwarzmetallszene. Nun schicken sich, unter den Fittichen des deutschen Kultmusikverlages KETZER Records, die fünf nordischen Recken Storm (Bass), Myrkur (Gitarre), Skog (Schlagzeug), Gaddur (Gitarre) und Icortus (Gesang) unter dem Banner von MYRK an, dies zu ändern.
Auf ihrem Album „Icons Of The Dark“ zelebrieren die Isländer ein frostig-rasendes Schwarzmetallreigen, daß einem die Kinnladen herunterklappen läßt. Dabei achten sie jedoch nicht nur auf gute Songstrukturen, sondern sind auch noch technisch absolut versiert und verstehen es zudem, Tempo und Brutalität mit Melodik und Anspruch perfekt zu verbinden. Doch MYRK belassen es nicht allein bei „herkömmlichen“ Zutaten, sondern bieten auch brachialere, deathmetallische Elemente, die sich nahtlos und sehr passend in den Gesamtklang einfügen, und, zwischen all der angenehm nordischen, wohlig-frostigen Raserei, einige atmosphärische und ruhigere Passagen, die vom Geist des hohen Nordens beseelt sind.
Doch nicht nur die Musik, auch die Produktion weiß sehr gut zu gefallen. Vor allem der Fakt, daß die Scheibe, auch wenn sie sicherlich typisch skandinavisch klingt, um Einiges baßlastiger und irgendwie auch einen Tick „organischer“ ausfällt als die Produktionen vieler ihrer Kollegen, läßt „Icons Of The Dark“ aus der Masse hoch herausragen.
Besonders angetan hat es mir „In Silence“, das wohl ruhigste und melodischste Stück, aufgrund seiner schönen Gitarrensoli und der atmosphärischen Stellen. Auch „Within The Burning Darkness“, obwohl etwas härter, schlägt in eine ähnliche Kerbe und ist eine absolut geniale Hymne – anmutige, nordische Raserei par excellence. Besonders brutal und deathmetallastig präsentiert sich dahingegen „When We Raised...“, ein weiterer Höhepunkt der Scheibe. Bei „Myrk“ hingegen fühle ich mich irgendwie geradewegs in die isländische Eislandschaft hineinversetzt... Gefühle wie Einsamkeit, Kälte, Weite, Naturverbundenheit und Abenteuerlust kommen hier in einem auf.
Obwohl ich selbst nicht so ganz erklären kann, warum, weckt bei mir darüber hinaus „Icons...“ stellenweise ähnliche Empfindungen wie ABIGORs „Nachthymnen“ - was hier als sehr großes Kompliment gemeint ist, und irgendwie, nun ja, wohl nur subjektiv wahrzunehmen bzw. zu begründen ist.
Kleine Abstriche würde ich lediglich bei den Texten machen, welche mir persönlich oftmals etwas zu trivial erscheinen, sowie bei einigen Liedern zum Ende der Scheibe hin, partiell etwas langatmig und nicht so völlig überragend wie zum Beispiel die weiter oben erwähnten Höhepunkte klingen. Ansonsten kann ich das Album nur wärmstens weiterempfehlen, denn MYRK haben damit das Schwarzmetall um eine, wenn auch vielleicht nicht völlig innovative, weitere Perle bereichert. Meine Empfehlung!